Manchmal reicht eine einfache Frage, um uns zum Nachdenken zu bringen: Welche Menschen inspirieren dich und warum?
Vor unserem geistigen Auge erscheinen dann oft Menschen, die etwas in uns auslösen, einen Prozess in uns anstoßen, etwas in uns verändern. Menschen, die uns zeigen, was möglich ist – oder uns daran erinnern, wer wir selbst sein wollen. Wenn ich in mich gehe und an einen inspirierenden Gründer denke, dann taucht zum Beispiel Steve Jobs in meiner Erinnerung auf. Seine Präsentation des ersten iPhones 2007 war ein Moment, der Geschichte schrieb.
Jobs‘ Leidenschaft für Perfektion und sein unbeirrbarer Antrieb revolutionierten sechs Industrien: Personal Computer, Animationsfilme, Musik, Telefone, Tablet-Computing und digitales Publizieren.
Die Biographie von Steve Jobs, verfasst von Walter Isaacson, faszinierte mich als Student. Sie basiert auf über vierzig Interviews mit Jobs selbst und über hundert weiteren Interviews mit Familie, Freunden, Gegnern, Konkurrenten und Kollegen. Darin wird er als anspruchsvoll, perfektionistisch, oft brutal ehrlich und bisweilen rücksichtslos beschrieben. Aber auch als charismatisch und inspirierend, der Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen anspornte.
Jobs wusste früh, dass er adoptiert war, was sein Gefühl, „besonders“ zu sein, prägte. Die Zusammenarbeit mit Steve Wozniak, mit dem er die Gründung der Firma und die Entwicklung des Apple I und Apple II vorantrieb, legte den Grundstein für den späteren Technologiekonzern. Der Blue Box-Hack ist ein prägendes Erlebnis aus dieser Zeit. Jobs‘ Studium am Reed College und seine spirituelle Suche in Indien, wo er sich mit Yoga beschäftigte und Veganer wurde, prägten ihn außerdem.
Weggefährten nennen immer eine zentrale Fähigkeit von Jobs, nämlich jene die Realität verbiegen zu können, um das Unmögliche möglich zu machen, was aber auch zu Konflikten führte. Das „Reality Distortion Field“ war Fluch und Segen zu gleich. Jobs‘ Entmachtung bei Apple durch John Sculley, die Gründung von NeXT und die dortigen Misserfolge, die ihn reifen ließen, sind ein wichtiger Wendepunkt in seinem Leben.
Danach investierte Steve Jobs in das Filmstudio Pixar. Insbesondere der Erfolg von „Toy Story“, zeigten seine Fähigkeit, Kunst und Technologie zu verbinden. Jobs‘ Rückkehr als CEO bei Apple, die Sanierung der Firma, die „Think Different“-Kampagne und die Neuausrichtung der Produktlinien schufen dann den Technologiekonzern, den wir heute kennen. Es folgten die wahnsinnig erfolgreichen Produkte iPod, iTunes, iPhone, iPad, iMac. Die damit verbundene Strategie, den Computer als zentralen Hub für das digitale Leben zu etablieren, wurde als Jobs‘ größte Arbeitsleistung nach seiner Rückkehr zu Apple beschrieben.
Steve Jobs war eine komplexe und vielschichtige Persönlichkeit. Er wurde aus seiner eigenen Firma Apple gefeuert. Laut seinen Weggefährten konnte er auch kalt und herzlos sein, zum Beispiel als er seine Tochter Lisa lange Zeit nicht anerkannte. Doch vielleicht ist es genau das, was ihn für mich menschlich macht. Vorbilder sind selten perfekt, sondern haben Fehler und trotzdem den Mut, etwas zu wagen.
Am 5. Oktober 2011 starb Steve Jobs zu Hause im Kreise seiner Familie an den Folgen seiner Krebserkrankung. Am 7. Oktober wurde er auf dem konfessionslosen Friedhof Alta Mesa Memorial Park in Santa Clara, Kalifornien, beigesetzt.
Ein zweites inspirierendes Vorbild ist Werner von Siemens für mich. Werner von Siemens war ein deutscher Physiker, Techniker und Unternehmer. Seine bedeutendste wissenschaftliche Leistung war die Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips und damit eine der Grundlagen für den Bau und die Wirkungsweise aller modernen Generatoren. Werner von Siemens ist so etwas wie der Vater der deutschen Industrie.
Er erkannte, dass der im Eisen zurückbleibende Magnetismus ausreicht, um eine schwache Spannung zu induzieren, und führte einen Teil des erzeugten Stroms in einen Elektromagneten zurück. Dies verstärkte das Magnetfeld und erzeugte immer höhere Stromstärken. Durch diese Entdeckung war der Grundstein für den modernen Generator und die wirtschaftliche Stromversorgung gelegt. (Dynamoelektrische Prinzip, 1866).
Werner von Siemens entwickelte 1847 aber auch den ersten praktisch brauchbaren Zeigertelegrafen, der eine bedeutende technische Weiterentwicklung der Telegrafie darstellte. Im gleichen Jahr erfand er die Guttaperchapresse. Eine Maschine die es ermöglichte eine nahtlose Isolierung von Kupferdrähten herzustellen, was eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung des modernen Nachrichtenverkehrs war.
Eine weitere Erfindung, die aus Werner von Siemens Feder stammt, ist die erste elektrische Lokomotive. Auf der Berliner Gewerbeausstellung präsentierte er die erste elektrische Lokomotive, die ohne Rauch und Dampf fuhr und die Vorteile der Elektromobilität demonstrierte. (1871). Und im Berliner Vorort Groß-Lichterfelde nahm 1881 die erste elektrische Straßenbahn der Welt ihren Betrieb auf und revolutionierte den öffentlichen Nahverkehr.
Neben seinen Verdiensten um die Technologie und Unternehmertum, war Werner von Siemens vor allem auf Grund seiner Werte ein leuchtendes Vorbild und seiner Zeit weit voraus. Er ließ zum Beispiel günstige Wohnungen und gute Schulen für seine Belegschaft bauen. So konnten sie sich auf die Arbeit konzentrieren. In der Berliner Siemensstadt lebten viele Generationen von Mitarbeitenden.
Er war der erste Unternehmer, der seine Mitarbeiter sozial absicherte (Siemens-Pensionskasse) und den Neun-Stunden-Tag einführte. Damit setzte er als erster Unternehmer in Deutschland Maßnahmen zum Schutz von Alten, Kranken und Witwen der Arbeiterschicht durch. Siemensianer hatten einen sicheren Arbeitsplatz und waren dem Unternehmen gegenüber loyal und stolz auf ihre Arbeit.
Diese Strategie, die von Güte und Wohlwollen geprägt war, zahlte sich für Werner von Siemens und seine Mitarbeitenden aus. Ein Zitat, das Werner von Siemens, dem Gründer des heute größten deutschen Industriekonzerns, zugeschrieben wird:
„Mir wär’ das verdiente Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich treuen Gehilfen nicht den erwarteten Anteil gäbe.“
Manche Menschen können wie Wegweiser in unserem Leben wirken. Sie zeigen, was möglich ist – und erinnern uns daran, wer wir sein wollen. In der Forschung spricht man von „Role Models“: Menschen, an denen wir uns orientieren, um uns selbst weiterzuentwickeln. Auch wenn das Beispiel mit Werner von Siemens aus der Zeit gefallen scheint und der Staat heute die schulische Ausbildung übernimmt, finde ich das Mindset spannend.
Jetzt bist du dran
Schritt 1
Stelle dir einen Timer auf 15 Minuten.
Schritt 2
Überlege, wer dich persönlich inspiriert – privat oder beruflich und warum.
Es kann eine reale Person sein (z. B. eine Unternehmerin, ein Politiker, ein Lehrer, deine Großmutter oder dein Vater) – oder eine historische Figur (z. B. Steve Jobs, Jesus von Nazareth oder eine Romanfigur)
Schritt 3
Notiere deine drei Vorbilder, z.B. in der Core Principles Canvas.
Schritt 4
Überlege
1. Was genau inspiriert dich an dieser Person? Wo ist sie imperfekt?
2. Wo zeigt sich dieser Einfluss bereits heute in deinem Denken oder Handeln?
3. Was möchtest du in Zukunft anders machen, um deinen Vorbildern gerecht zu werden?
Schritt 5
1. Bespreche deine Vorbilder mit einem Freund, einer Freundin oder einem Familienmitglied.
2. Frage sie nach ihren Vorbildern.
3. Tauscht euch darüber aus, welche Rolle Vorbilder in der Gesellschaft haben.
Gut, dass du dich auf die Reise zu dir selbst machst.
Diese Übung ist eine von insgesamt elf Übungen der Unstoppable – Methode.
Wenn die Übung deine Hoffnung stärkt,
dann mache mit der nächsten Übung weiter.










