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von | 25 März, 2026 | Unstoppable

Werte in der Kommunikation zu nutzen, das fühlt sich erstmal komisch an. Und es darf sich auch komisch anfühlen. In diesem Artikel geht es darum wie wir Lob und Konflikte durch eine wertebasierte Kommunikation meistern.

Was ist der Mehrwert davon? Wenn wir unsere Werten definiert haben und klar in der Kommunikation einsetzen, schaffen wir öfter geklärte Verhältnisse und tragen demnach weniger emotionalen Ballast mit uns herum. Im Gegensatz dazu, wenn wir unsere negativen Emotionen, wie z.B. Wut oder Ärger im Gespräch ungefiltert freilassen oder sie in uns abkapseln, dann schadet das langfristig unserem Wohlbefinden und behindert gelingende Beziehungen.

Denn negative Emotionen, die sich in uns abkapseln, können unser volles Potenzial ausbremsen und uns zur Last werden. Diese Last kann uns langfristig erdrücken. Das merken wir daran, dass wir uns weniger energetisch fühlen, träge werden, ein schweres Herz oder Kreuzleiden bekommen. Hingegen, wenn wir unseren Emotionen stets freien Lauf lassen, werden unsere Gesprächspartner verstimmt, wir müssen uns häufig entschuldigen oder um Vergebung bitten.

Stellt dir ein anderes Szenario vor. Nehmen wir an, wir bleiben unseren Werten treu und können unsere Emotionen benennen, zum Beispiel um im Gespräch mit einem Kollegen eine gesunde Grenze klar zu stellen. Dann werden wir eher auf Verständnis treffen und geklärte Verhältnisse hinterlassen, wenn wir uns authentisch zeigen, dass heißt, wenn wir offen zeigen welcher Wert uns wichtig ist und wie wir uns fühlen, wenn dieser missachtet wird.

Wenn wir Werte in der Kommunikation nutzen, sprechen werden wir glaubwürdiger. Anhand des „Fünfsatzes der wertebasierten Kommunikation“ (Beobachtung, Wert, Emotion, Appell, Einverständnis) können wir für unsere Werte werben, andere Loben oder in Konflikten gesunde Grenzen ziehen. Dadurch können sich gelingende und vertrauensvolle Beziehungen entfalten: in der Familie, mit Freunden, mit Kollegen und Partnern.

Fall 1: Wie setzt du Werte bei einem Lob ein?

Schritt 1

Stelle dir einen Timer auf 10 Minuten.

Schritt 2

Überlege dir eine Situation, für die du jemanden loben möchtest.

Beschreibe die Situation so, als ob eine Kamera sie aufnimmt:

Beobachtung der Situation: …

Schritt 3

Verbinde die Situation mit deinem Wert.

Das hat mein Bedürfnis nach…(dein Wert, z.B. Zielstrebigkeit) erfüllt,

Schritt 4

Drücke aus was der erfüllte Werte in dir auslöst

…darum fühle ich mich / bin ich…(deine Emotion, z.B. glücklich)

Schritt 5

Formuliere einen Apell, wenn sinnvoll

z.B. Lass uns für das nächste Projekt genauso weitermachen

Schritt 6

Hole das Einverständnis deines Gegenübers ein

Ist das OK für dich?

Wie du merkst fühlt sich diese Art der Kommunikation etwas seltsam an. So war es bei mir am Anfang zumindest. Ich finde dieses Lob allerdings authentischer, motivierender und substanzieller als ein „Klasse“ oder „Wunderbar“.

Fall 2: Wie setzt du Werte bei einem Konflikt ein?

Stelle dir das Beispiel vor.
Max ist Ingenieur und CEO des Startups HappySales AI.

Sein zentraler Wert: Ehrlichkeit. In einem Kundengespräch verspricht seine Mitgründerin Fiona – zuständig für Vertrieb – eine Funktion, die das Produkt von Happy Sales AI in der nächsten Version noch nicht zuverlässig leisten kann.

Max ärgert sich, bleibt vor dem Kunden professionell.
Doch nach dem Gespräch platzt es aus ihm heraus:

„Was soll dieses leere Versprechen, Fiona?
Willst du unseren Ruf ruinieren?“

Fiona verteidigt sich:
„Ich kümmere mich um Umsatz. Ohne Kunden kein Business.“

Die Situation eskaliert.

Zwei Tage später: keine Klärung.
Vertrauen – beschädigt.

Wie hätte Max reagieren können, in dem er seine Werte einsetzt?

Schritt 1

Ich habe beobachtet, dass du dem Kunden etwas versprochen hast, dass wir in den nächsten Monaten nicht in der Lage sein werden zu liefern. (Beobachtung)

Schritt 2

Mein Bedürfnis nach Ehrlichkeit ist dadurch verletzt. (Wert)

Schritt 3

Darum fühle ich mich ärgerlich und wütend. (Emotion)

Schritt 4

Ich möchte bitte, dass wir die Produktentwicklung besser abstimmen, bevor du dem Kunden etwas versprichst. (Appell)

Schritt 5

Können wir das für die Zukunft so vereinbaren, Fiona? (Einverständnis)

Diese Form des Feedbacks erscheint zunächst ungewohnt und langatmig. Sie eröffnet allerdings Raum für Dialog. Sie macht den Sender verletzlich, weil sie die tatsächlichen Emotionen offenbart. Gleichzeitig bleibt der Sender respektvoll und authentisch, da er seine seine Werte in der Kommunikation nutzt und bietet eine Lösung an.

Die Reaktion von Fiona ist natürlich außerhalb der Kontrolle von Max.

Fiona hat mehrere Möglichkeiten zu reagieren:

Einverstanden Max, da war ich etwas optimistisch. (Akzeptanz)
Das tut mir leid Max, ich wollte dich nicht verärgern. (Empathie)
OK, du denkst, wir können die Spezifikation nicht liefern. (Einsicht)
Nein, ich komme zu einem anderen Schluss, Max. (Zurückweisung)
Ich kann jetzt besser verstehen, warum du verärgert bist Max, aber ich denke, dass unser Team die Spezifikation liefern kann. (Empathie, Fiona bleibt sich selbst treu)

Max kann das Gespräch jetzt durch W-Fragen öffnen.

Was siehst du konkret anders, Fiona?
Wie genau soll unser Produktteam die Spezifikation liefern, wenn dessen Fokus aktuell ein anderer ist?
Welche Informationen benötigen wir von unserem Produktteam und dem Kunden, um die Situation besser einschätzen zu können?
Was können wir deiner Meinung nach tun, um unsere Reputation zu schützen und dem Kunden gerecht zu werden?

Für die Entwicklung einer Lösung ist jetzt ein vertrauensvoller Raum geschaffen. Die Aggression hat keine Chance, die Beziehung zu belasten oder sogar zu zerstören. Auch wenn Fiona das Thema deutlich anders sieht als Max.

Aufgabe: Stelle dir einen Konflikt vor, in dem du kürzlich warst und überlege, welcher Wert verletzt wurde? Wie hättest du wertebasiert kommunizieren können?

Das Ziel der wertebasierten Kommunikation ist es, authentisch zu sprechen, sich Gehör zu verschaffen und eine vertrauensvolle Beziehung zu wahren. Denn vertrauensvolle Beziehungen sind die Basis von hoch performanten Teams.

Gut, dass du dich auf die Reise zu dir selbst machst.

Diese Übung ist eine von insgesamt sieben Übungen der Core Principles Canvas.
Wenn sie dich zuversichtlich stimmt, dann mache mit der nächsten Übung weiter.
Für eine komplette Übersicht, kannst du die Canvas hier kostenlos herunterladen.

Jetzt bist du dran

Schritt 1

Stelle dir einen Timer auf 7 Minuten.

Schritt 2

Lese die Inspiration zu den Motiven auf der Core Principles Canvas zweimal durch:
– einmal mit dem Verstand (Fakten),
– einmal mit dem Herzen (Gefühle).

Fehlt dir ein Motiv? Ergänze es.

Schritt 3

Notiere deine drei Motive, z.B. in der Core Principles Canvas.

Schritt 4

Überlege
1. Welches dieser drei Motive findest du am inspirierendsten für dich?
2. Treffe eine Entscheidung – bewusst, nicht perfekt – und wähle dein Hauptmotiv.
3. Vervollständige diesen Satz mit deinem Hauptmotiv.

„Ich möchte ein Start-up gründen und…

Schritt 5

1. Bespreche dein Hauptmotiv mit einem Freund, einer Freundin oder einem Familienmitglied.
2. Frage sie nach ihren Motiven für ihre Arbeit.
3. Tauscht euch darüber aus, welche Rolle Motivation bei der Arbeit spielt.

Gut, dass du dich auf die Reise zu dir selbst machst.

Diese Übung ist eine von insgesamt elf Übungen der Unstoppable – Methode.
Wenn die Übung deine Hoffnung stärkt,
dann mache mit der nächsten Übung weiter.

Über Flo

Flo Küster hat drei Start-ups gegründet. Und die UnternehmerTUM über fünf Jahre mitgeprägt.

Als Mitglied der Geschäftsleitung war er verantwortlich für die MakerSpaces und hat das TUM Venture Labs für Robotics & AI mitaufgebaut. Aus diesem Umfeld kommen Start-ups wie air up, Flix, Isar Aerospace, remberg, Sitegeist u.v.m.

Was kein Hörsaal oder Buch beantworten kann, hat Flo auf vier Kontinenten gelernt: Wie finde ich heraus, was meiner Arbeit tatsächlich einen Sinn gibt? Wie orientiere ich mich in unsicheren Zeiten?

Das Buch Unstoppable – Gründen mit Werten ist seine Antwort darauf.

Gründen mit Werten

Unstoppable – Gründen mit Werten ist Roman und Methode in einem.

Du begleitest Mary Fischer, Informatikstudentin an der TU München, durch elf Wachstumsschritte – und entwickelst dabei deinen eigenen Wertekompass, erkennst deine Stärken und baust ein Fundament, das zukünftig stabil trägt.

Praxisnah, persönlich und mit echten Geschichten aus dem Münchner Isar Valley – Europas Start-up-Ökosystem Nr. 1, dreimal ausgezeichnet von der Financial Times.

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